EZB Geld- und Finanzmärkte Geldpolitik

Statement zur EZB-Entscheidung

Die Entscheidung der EZB enthält überraschend viele neue Maßnahmen. Für sich betrachtet sind die Zinssenkung und der negative Einlagezins eher symbolische Maßnahmen: Sie werden weder die Kreditvergabe in den Krisenländern maßgeblich verbessern, noch das Deflationsrisiko deutlich mindern. Zusammen mit den anderen angekündigten Maßnahmen interpretiere ich sie aber als Startsignal einer neuen EZB-Strategie. Als erste Schritte in einer Reihe von weiteren Maßnahmen in den kommenden Monaten sind sie bedeutungsvoll. Die Andeutung eines ABS-Ankaufprogramms unterstreicht dies deutlich. Die angekündigte konditionale Kreditvergabe ist mutig und stellt die EZB vor eine enorme logistische und politische Herausforderung. Die Erfahrungen anderer Zentralbanken mit ähnlichen Programmen sind eher gemischt. Die EZB-Maßnahmen bergen auch große Risiken: Sie könnten die Blasenbildung und das riskante Verhalten von Banken noch verstärken. Allerdings wäre es noch riskanter und eine deutlich schlechtere Option, wenn die EZB nichts täte. Sie ist zum Handeln gezwungen, da sie ihr primäres Mandat der Preisstabilität zur Zeit deutlich verfehlt. Eine expansivere Geldpolitik ist in einer solchen Situation die bessere von zwei riskanten Strategien.

Auch für Deutschland ist die weitere Lockerung der Geldpolitik, trotz großer Risiken, die richtige Entscheidung. Denn eine Erholung der gesamten Eurozone und die Vermeidung einer Deflation sind gerade für die sehr offene deutsche Wirtschaft von enormer Bedeutung.

Ein Risiko der expansiven Geldpolitik der EZB ist die Bildung von Blasen und Verwerfungen in Finanz- und Immobilienmärkten. Im Immobiliensektor in Deutschland sehen wir an Hand unserer Modelle am DIW Berlin derzeit noch keine Blasen. Die könnten sich jedoch bilden, wenn die Geldpolitik weiterhin sehr expansiv bleibt und die Bankenaufsicht nicht gegensteuert. Die Geschäftsmodelle für Lebensversicherer, Banken und Pensionsfonds müssen sich der Niedrigzinspolitik anpassen, denn die Zinsen werden noch viele Jahre sehr niedrig bleiben.

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