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„Der Sachverständigenrat hat eine Kehrtwende bezüglich seiner vergangenen Analysen vollzogen“

Der Sachverständigenrat hat mit seinem Sondergutachten eine Kehrtwende bezüglich seiner vergangenen Analysen vollzogen. Er lehnt die meisten Maßnahmen zur Vertiefung der europäischen Integration ab, auch den eigenen Vorschlag von vor wenigen Jahren für einen Schuldentilgungsfonds und einen europäischen Währungskommissar. Der Glaube, man könne die gemeinsame europäische Haftung reduzieren und wieder stärker nationalisieren, ist unrealistisch. Eine Insolvenzordnung für Staaten ist sicherlich ein kluger Vorschlag, der den vieler Ökonomen in den vergangenen Jahren unterstützt. Er wird jedoch weder die Krise beenden noch die Architektur Europas für die nächsten Jahrzehnte nachhaltig machen können.

Der Vorschlag, eine Insolvenzordnung für Staaten zu schaffen und damit die Finanzmärkte zu stärken, sei ausreichend um Krisen in der Zukunft verhindern und besser bewältigen zu können, ist überraschend und wenig realistisch. Gerade die globale Finanzkrise 2008 und die europäische Krise der vergangenen Jahre zeigen, dass Investoren und Finanzmärkte eher die Ursache und nicht die Lösung von Finanzkrisen sind.

Dass der Sachverständigenrat einen Austrittsmechanismus aus dem Euro fordert, ist höchst gefährlich und kontraproduktiv. Dieser Vorschlag würde den Euro in nicht viel mehr als ein System fixer Wechselkurse verwandeln. Die spekulativen Attacken auf Länder wie Italien und Spanien im Sommer 2012 haben gezeigt, wie kostspielig und schädlich es ist, wenn Finanzmärkte auf einen möglichen Austritt einzelner Länder spekulieren.

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