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Stellungnahme zu den Ergebnissen der EZB-Ratssitzung vom 03.09.2015

Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, an ihrem bisherigen Kurs festzuhalten, ist keine Überraschung. Auch die Prognose schwächerer Wachstums- und Inflationszahlen war zu erwarten. Die EZB befindet sich in einem immer vertrackteren Dilemma: Mit ihrer Prognose gibt sie zu, dass sie ihr Preisstabilitätsziel in der mittleren Frist wohl verfehlen wird. Trotzdem ist es weise, abzuwarten. Die globale Unsicherheit ist gestiegen und enorm hoch. Die größte Sorge ist jedoch nicht China oder die USA, sondern die nur schleppende wirtschaftliche Erholung der Eurozone.

Die Gefahr einer lang anhaltenden Wachstumsflaute in Europa ist gestiegen. Ich erwarte, dass wir uns aufgrund dieser schwachen Erholung auf viele weitere Jahre einer sehr expansiven Geldpolitik einstellen müssen. Die großen Schwankungen der Ölpreise und der Wechselkurse wird die EZB gelassen betrachten, denn beides hat nur einen geringen und temporären Einfluss auf die Inflation. Am problematischsten für die EZB ist die fehlende Verankerung der Inflationserwartungen. Damit wird sie es in Zukunft noch schwerer haben, das Ziel der Preisstabilität zu erreichen.

Angesichts der heutigen Aussagen von EZB-Präsident Draghi sehe ich nun eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit für eine Ausweitung des Anleihenkaufprogramms, wenn es zu einer weiteren Abschwächung von Inflation und Wachstum kommt. Es ist wichtig für die EZB, die Nerven zu bewahren und auf die hohe Volatilität der Finanzmärkte nicht überzureagieren. Ich halte eine konditionale Verlängerung des Anleihenkaufprogramms, bis die Preisstabiltität wieder hergestellt ist, für die wahrscheinlichste Option der EZB, sollte sich die Wirtschaft weiter abschwächen.

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