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„Ich muss entschieden widersprechen“

Dieses Interview von Olaf Gersemann und Martin Greive erschien erstmals am 3. April 2016 in der Welt am Sonntag.

Mit seiner These vom Ende des „Wohlstands für alle“ hat DIW-Chef Marcel Fratzscher eine Debatte über Ungleichheit in Deutschland entfacht. Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts, hält dagegen.

Welt am Sonntag: Herr Fuest, Herr Fratzscher schreibt in seinem Buch, unsere soziale Marktwirtschaft existiert nicht mehr, aus Ludwig Erhards Losung „Wohlstand für alle“ sei ein „Wohlstand für wenige“ geworden. Unterschreiben Sie das so?

Clemens Fuest: Ich halte das für irreführend. Und ich sehe die Gefahr, dass solche Thesen nur in eine ideologische Debatte münden, die sich gegen das markwirtschaftliche System als Ganzes richtet. Wir sollten das deutsche Modell der sozialen Marktwirtschaft nicht schlechtreden. Es ist nicht tot, es lebt. Es bewährt sich in einer Welt, in der die Globalisierung große Herausforderungen mit sich bringt.

Welt am Sonntag: Herr Fratzscher, gefährden Sie mit Ihren Thesen das System?

Marcel Fratzscher: Sicher nicht. Aber wir sollten die Tatsachen nicht leugnen, nur weil sie unbequem sind und zu einer unangenehmen Diskussion führen könnten. Dass Ludwig Erhards Credo der sozialen Marktwirtschaft heute nicht mehr existiert, ist Realität. Dies zeigt sich in einer hohen Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen und vor allem in einer hohen Chancenungleichheit und fehlendem Wettbewerb. Ich halte das für eine der größten Herausforderungen, vor der wir als Gesellschaft heute stehen. […]

Das vollständige Interview finden Sie auf www.welt.de.

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