Außenwirtschaft und internationale Wirtschaftsbeziehungen Europa Konjunktur, Wachstum, Wirtschaftsstruktur Wirtschaftspolitik

Statement zum Ausgang des Referendums für einen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU (Brexit)

Die Entscheidung Großbritanniens für einen Brexit ist eine Katastrophe für alle Europäerinnen und Europäer. Die wirtschaftlichen Kosten werden für ganz Europa enorm sein. Großbritannien könnte in eine Rezession abrutschen. Das DIW Berlin erwartet in seiner neuesten Prognose ein um 0,5 Prozentpunkte schwächeres Wachstum für Deutschland im Jahr 2017, allein durch den Rückgang deutscher Exporte nach Großbritannien. Die Abschwächung des Wachstums der deutschen Wirtschaft könnte jedoch über Finanzmarkteffekte und einen Vertrauensverlust noch deutlich stärker sein. Am größten ist das Risiko für Länder wie Italien, die nach wie vor tief in der Krise sind und noch tiefer in die Krise geraten könnten.

Ich erwarte kurzfristig große Verwerfungen an den Finanzmärkten und mittelfristig eine deutliche Abkühlung der Weltwirtschaft, auch ein erneutes Aufflammen der Finanzkrise durch Verwerfungen im Bankensektor ist wahrscheinlich.
Ich erwarte bereits heute ein starkes Signal der führenden Notenbanken, um die Panik an den Finanzmärkten zu lindern. Die Abwertung des Euro und der Kursrutsch an europäischen Börsen zeigt, dass Europa nach Großbritannien der größte Leidtragende des Referendums ist.
Das Referendum hat enormen Schaden für Europa und Großbritannien angerichtet. Das Referendum ist von der Politik missbraucht worden, um auf Kosten Europas auf Stimmenfang zu gehen und Hetze zu betreiben. Beim Brexit-Referendum ging es nicht in erster Linie um die Zukunft Europas, sondern um Immigration, den Sozialstaat und um einen gesellschaftlichen Verteilungskampf.
Das Referendum hat zu einer tiefen Spaltung der britischen und der gesamten europäischen Bevölkerung geführt. Es hat nicht einen konstruktiven Dialog über Europa angestoßen, sondern zu einer Hetze gegen Europa und die europäischen Werte geführt. Der griechische Premierminister Papandreou musste im Jahr 2011 zurücktreten, weil er ein Referendum über ein Hilfsprogramm für Griechenland ausrufen wollte. Premierminister Cameron hat Europa einen Bärendienst erwiesen. Der Schaden, den Premierminister Cameron durch sein Referendum verursacht hat, ist enorm und ungleich größer als der Schaden, den Premierminister Papandreou mit seinem Referendum im Jahr 2011 angerichtet hat.
Das Referendum war einer der größten Fehler einer britischen Regierung während der vergangenen Jahre und Jahrzehnte. Es gibt keine Gewinner, sondern nur Verlierer: Europa ist ein Verlierer des Referendums, weil seine Werte verraten und seine Zukunft geschwächt wurde. Großbritannien ist ein Verlierer des Referendums, da es nichts gewonnen hat, aber das Vertrauen seiner Nachbarn verspielt und großen wirtschaftlichen Schaden angerichtet hat. Großbritannien wird es in Zukunft nicht leichter, sondern deutlich schwerer haben, seine Interessen in Europa und in der Welt zu wahren.
Die Staats- und Regierungschefs Europas, allen voran Deutschland, müssen nun entschieden handeln und zu allererst das Vertrauen der Menschen und der Märkte wiederherstellen. Die europäische Politik muss dringend die Reformen Europas voranbringen und vollenden. Europas Politiker sollten die gegenwärtige Krise als Chance begreifen, Europa auf den richtigen Zukunftspfad zurückzuführen.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.