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Kein Grund zur Panik

Das Undenkbare ist zur Realität geworden. Die Risiken einer US-Regierung unter Donald Trump für Wirtschaft und Wohlstand in Deutschland und Europa sind sicherlich nicht klein. Aber sie sind auch kein Anlass, in Panik zu verfallen. Es gibt viele gute Gründe, wieso gerade die deutsche Wirtschaft diese Risiken meistern kann.

Wir sollten uns bewusst machen, dass die Vereinigten Staaten eine starke, funktionierende Demokratie sind. Sie kann auch einen Präsidenten Trump verkraften. Der bald mächtigste Mann der Welt wird nicht die Macht haben, die meisten seiner Wahlversprechen einfach so umzusetzen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Trump von Beginn seiner Präsidentschaft an eine “lame duck” sein wird. Denn der US-amerikanische Kongress ist mächtig und hat ein hohes Maß an Handlungsfähigkeit.

Zwar stellen die Republikaner die Mehrheit im Kongress und könnten Trump unterstützen. In der Wirtschaftspolitik – wie beim Handel und in der Finanzpolitik – sind die Republikaner – das wird in Deutschland oft vergessen – aber häufig moderater und weltoffener als die Demokraten. In vielen seiner schädlichen Wahlkampfversprechen – wie der Aufkündigung von Freihandelsabkommen oder einer Abschottung des amerikanischen Marktes – könnte ein republikanischer Kongress einen Präsidenten Trump neutralisieren und viel Schlimmes verhindern. Wirtschaftspolitisch könnten dann vier Jahre der Stagnation herrschen.

Für die Wirtschaft ist das wahrscheinlichste Szenario, dass die Wahl Donald Trumps keine großen negativen Auswirkungen haben wird – auch wenn die politischen und sozialen Konsequenzen verheerend sein könnten. Die erste Dynamik könnte ähnlich wie nach der Brexit-Entscheidung sein. Die zuerst großen Ausschläge der Finanzmärkte könnten sich schnell beruhigen. Viel hängt jedoch davon ab, wen Trump in sein Kabinett berufen wird.

Für die deutsche Wirtschaft sind deutlich weniger Auswirkungen zu befürchten als für viele andere. Deutsche Unternehmen sind weltweit breit aufgestellt, hoch wettbewerbsfähig und flexibel und werden die Herausforderungen deswegen besser meistern als viele andere, auch wenn die deutsche Wirtschaft abhängiger von den Exporten in die Vereinigten Staaten ist.

Der Euro wird gegenüber den meisten anderen Währungen an Wert gewinnen, da der Euro eine stabile und glaubwürdige Währung ist. Dies wird deutsche Exporte im Ausland etwas teurer machen. Die vergangenen Jahre haben jedoch gezeigt, dass sich deutsche Exporte auch bei einem deutlich stärkeren Euro weltweit behaupten können.

Für Europa insgesamt allerdings sind vier verlorene Jahre wirtschaftlich schädlicher als für die Vereinigten Staaten. Die USA haben sich relativ gut von der globalen Finanzkrise erholt, Europa dagegen steckt noch mitten drin. Die größte Sorge ist, dass Trumps Wahlerfolg den rechtsextremen Parteien Aufwind verleiht und den Populismus auch bei etablierten und moderaten Parteien in Europa stärkt. Dann könnten wichtige soziale und wirtschaftliche Reformen zum Erliegen kommen und die Wirtschaftsdynamik könnte weiter geschwächt werden. Reformen und ein koordinierter Wachstumsimpuls für Europa sind dringender denn je, um genau das zu verhindern. Der  Ausgang der US-Wahl sollte deswegen Ansporn für die Politik in Deutschland und Europa sein, sich auf die eigenen Reformen zu konzentrieren und diese endlich entschieden umzusetzen, um Europa aus der Krise zu bringen.

Dieser Gastbeitrag erschien am 11. November 2016 in der Frankfurter Rundschau.

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