Statement zur Brexit-Strategie von UK-Premierministerin Theresa May

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Theresa Mays Versprechen, Großbritannien nach dem Brexit in eine „globale Handelsnation“ zu verwandeln ist genauso eine Illusion wie Donald Trumps Versprechen, Amerika mithilfe protektionistischer Maßnahmen zu neuen Glanz zu verhelfen („to make American great again“). Mays Landleute müssen sich auf große Enttäuschungen gefasst machen.

Ein „harter Brexit“ ist die wirtschaftlich schlechteste aller Lösungen. Aber es ist auch die konsequenteste aller Optionen. Der wirtschaftliche Schaden eines solchen harten Brexit wird nicht unmittelbar dramatisch sein, sondern sich über ein Jahrzehnt hinziehen: Theresa May hat mit ihrer Ankündigung eines harten Brexit den schleichenden wirtschaftlichen Abstieg Großbritanniens eingeleitet.

Die Ankündigung Theresa Mays ist eine versteckte Drohung an Europa und an Deutschland, dass sie den europäischen Nachbarn schaden wird, wenn diese den Briten keine bevorzugte Behandlung gewähren. Die Bundesregierung und die EU sollten standhaft bleiben und Großbritannien weder bestrafen noch bevorzugt behandeln. Die vier Freiheiten, und vor allem die Freizügigkeit der Menschen, sind unverhandelbare Grundlagen der EU. Ohne alle vier Freiheiten kann Europa nicht funktionieren, werden der Binnenmarkt und der Euro scheitern.

Der harte Brexit wird für deutsche Wirtschaft, und vor allen die Exportunternehmen, seinen Preis haben. Ich bin jedoch optimistisch, dass die deutsche Exportwirtschaft durch ihre Stärke und Flexibilität den Brexit ohne größere Einbußen verkraften wird.

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Marcel Fratzscher

Autor: Marcel Fratzscher

Marcel Fratzscher ist Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und Professor für Makroökonomie und Finanzen an der Humboldt-Universität zu Berlin. / Marcel Fratzscher is President of the German Institute for Economic Research (DIW Berlin) and Professor of Macroeconomics and Finance at the Humboldt University in Berlin.

Ein Kommentar

  1. Sehr geehrter Herr Professor Fratzscher,

    Sie als Wissenschaftler haben sicherlich eine Übersicht darüber, wieviele EU-Aussenhandelsverträge wir haben und wieviele dabei an Personenfreizügigkeit gekoppelt sind. Wenn dieses Zahlenverhältnis betrachtet wird, kommt man dann immer noch zu dem Schluss, dass es eine Gleichbehandlung wäre, wenn man den Knackpunkt der Personenfreizügigkeit den Briten als Bedingung aufzwingen würde?

    Mit freundlichen Grüßen

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