Außenwirtschaft und internationale Wirtschaftsbeziehungen Europa

„Donald Trump wird Strafzölle auf deutsche Autos als Druckmittel missbrauchen“

Donald Trump und Jean-Claude Juncker haben kurzfristig für Entspannung im Handelskonflikt zwischen den USA und Europa gesorgt und das ist gut so. Es ist jedoch bisher nur eine Deeskalation, es gibt noch keine Entwarnung. Dass über ein Abkommen verhandelt wird, heißt noch lange nicht, dass es nicht doch zum Handelskrieg kommt – dafür sind die Zusagen von gestern zu vage. Aber ich schätze die Chancen als gut ein, dass man sich auf ein Freihandelsabkommen einigen wird. Die anvisierten Schritte – die man als abgespeckte Version vom Freihandelsabkommen TTIP, oder „TTIP Light“ bezeichnen könnte – gehen in die richtige Richtung.

Die Einigung hat aber eher Symbolwirkung und die wirtschaftlichen Auswirkungen dürften gering sein, denn die Zölle, um die es geht, sind bereits sehr niedrig. Aber die Symbolik ist in diesen unruhigen Zeiten extrem wichtig, vor allem zeigt Europa damit, dass es geschlossen handlungsfähig ist. Ich habe zwei große Sorgen aus deutscher Perspektive. Zum einen ist der Automobilsektor explizit aus den Verhandlungen ausgenommen. Ich befürchte, Donald Trump wird Strafzölle auf deutsche Autos als Druckmittel missbrauchen. Dies könnte Europa spalten, da Deutschland bei weitem der größte Verlierer solcher Strafzölle wäre.

Meine zweite Sorge betrifft die angekündigte Reform der Welthandelsorganisation WTO. Ich befürchte, die USA wird versuchen, die WTO zu manipulieren und damit den Multilateralismus weiter zu schwächen. Die Welt braucht nicht mehr bilaterale „Deals“, die meist zulasten der Schwächsten gehen, sondern faire Abkommen und Regeln, die für alle gelten. Die EU und die Bundesregierung müssen sich dafür einsetzen, dass nicht nur Europa und die anderen Industrieländer profitieren, sondern dass vor allem auch die schwächeren Entwicklungsländer und Schwellenländer faire Chancen im Welthandel erhalten.

Ein Kommentar

  1. Ich sehe das wie Sie und frage mich zudem, wie die EU ihr versprechen einlösen will, mehr Sojabohnen und Flüssiggas aus den USA zu importieren. Denn diese Entscheidung treffen ja die Marktteilnehmer, nicht die Regierungen. Und die Verwendung von LNG wird sich letztlich an der Wirtschaftlichkeit entscheiden, nicht an politischen Zusagen.

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