Geldpolitik und die Eurozone

Die Geldpolitik der Eurozone ist eine der wichtigsten Dimensionen der Bewältigung der europäischen Wirtschafts- und Finanzkrise. Die Intention dieses Blogs und des hier veröffentlichten Aufrufs ist es, die internationale Debatte über die Geldpolitik mitzugestalten – insbesondere aber auch die Debatte in Deutschland, wo die Diskussion um die EZB-Geldpolitik am kontroversesten geführt wird. Dieses Blog soll dabei helfen, einen offenen, kritischen und sachlich kompetenten Dialog anzustoßen.

Aufruf zur Unterstützung des Anleihekaufprogramms OMT der Europäischen Zentralbank

Initiiert von Marcel Fratzscher, Francesco Giavazzi, Richard Portes, Beatrice Weder di Mauro, Charles Wyplosz, 19. Juli 2013

Die europäische Krise dauert seit nun vier Jahren an – und mit ihr das ernster werdende Risiko, dass sie Europa und die Weltwirtschaft in eine tiefe Depression stürzt. Einzelne Fortschritte wurden erzielt, viele wichtige Reformen fehlen jedoch weiterhin. Politiker in Europa vermeiden oder verzögern noch immer Richtungsentscheidungen zur Stabilisierung der Wirtschaft und haben bis heute keine gemeinsame Vision entwickelt, wie Europas institutioneller Rahmen langfristig aussehen soll. Angesichts seiner Größe und wirtschaftlichen Stärke trägt Deutschland eine besondere Führungsverantwortung, wenn es um die Beendigung der Krise und die Entwicklung einer gemeinsamen Zukunftsvision für Europa geht. [weiterlesen]

Konferenz: The ECB and its OMT Programme

19. September 2013 von blogadmin | Keine Kommentare

Zusammenfassung der Konferenz “The ECB and its OMT Programme”, die am 2. September 2013 vom Centre for Economic Policy Research (CEPR) und dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) in den Räumen der KfW Bankengruppe in Berlin veranstaltet wurde. Organisatoren waren Marcel Fratzscher, Francesco Giavazzi, Richard Portes, Beatrice Weder di Mauro und Charles Wyplosz.

The ECB and its OMT Programme

 
Mehr Informationen: Rückblick auf die Konferenz und die dort gehaltenen Vorträge von Martin F. Hellwig, Otmar Issing, Benoît Cœuré und Michael C. Burda auf den Seiten des DIW Berlin (hier auch auf Englisch).

20. August 2013
von blogadmin
Keine Kommentare

Diskussionsbeiträge

 

“I appreciate the discussion initiated by the Call on the OMT programme by professors Fratzscher, Giavazzi, Portes, Weder di Mauro and Wyplosz. The ideas proposed are good, but, in my opinion, too “romantic”. They need more economics. 1. It has been reported from the German Constitutional Court that all economic experts who were invited to testify before the Court have unanimously conceded that OMT implies a monetization of government debt, raising legal as well as economic issues. [gesamten Kommentar lesen]“

Prof. Dr. Charles B. Blankart
Professor for Public Finances, Humboldt University of Berlin

 

“Meiner Meinung nach unterschätzt man massiv die ökonomischen Konsequenzen eines Auseinanderbrechens des Euro-Raums, und diese Tatsache muss auch hinreichend berücksichtigt werden – auch von einem Gericht. Auf Legalismen herumzutanzen bedeutet die Aufgabe unserer Urpflichten als Ökonomen. Es geht um Konsequenzen und Kosten.

Ob solche Petitionen angebracht sind? Ist es angebracht, wenn die Bundesbank das große Geschütz vor das BVG auffährt? Genau so hat man die Unabhängigkeit der EZB bei der Beurteilung der geldpolitischen Lage in Frage gestellt, wenn man sie von einer juristischen Instanz überprüfen lässt. (…) Von meiner Perspektive kann ich keinen Unterschied zwischen der Petition von Fratzscher et al und dem Schwarm an Euro-Gegner-Zeugen sehen, die vor das BVG gezogen sind.  Das  BVG hat – meiner Wahrnehmung nach – eine sehr selektive Auswahl von Zeugen angehört.”

Prof. Michael C. Burda PhD
Professor of Economics , Humboldt-Universität zu Berlin

 

“While I broadly subscribe to what you and co-initiators have put down, I have two basic points to add. First, the text does not develop enough (for my taste, at least) the subtle and difficult issue of how to distinguish monetary from fiscal central bank policy. Second, it is surprisingly laxe in blaming national policy makers for not acting timely on what would imply a breakthrough-relief for ECB monetary action, namely the full-fledged Banking Union. [gesamten Kommentar lesen]

Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen
Professor of Finance, Goethe Universität Frankfurt

 

“In its entire history the Bundesbank has never (repeat: never) bought state bonds in order to support bankrupt states such as Bremen or Saarland. The Bundesbank has only bought federal bonds within its open market operations.

By contrast, the ECB focusses on redistributive policies; it behaves like a European Social Bank. As there are no federal bonds at the European level, a neutral monetary policy would purchase baskets of member state bonds in proportion to capital shares.

It is plainly absurd to believe that the functioning of a currency requires solvency of every member state. The ECB’s redistribution of wealth from the North to the South will hardly be tolerated indefinitely.”

Prof. Dr. Stefan Homburg
Professor für Öffentliche Finanzen, Leibniz Universität Hannover

 

“The OMT has undoubtedly been successful in calming markets and, apparently, this end has been achieved without spending a single Euro so far. What might really happen once the ECB’s resolve is tested is more than doubtful, though.

1. I understand your concern that it becomes more likely that this resolve will be tested, if Germany and some parts of the German economics profession object against it and that this might be costly — for Germany and for the Euro zone at large. No question about that. [gesamten Kommentar lesen]“

Prof. Mathias Hoffmann
Professor for International Trade and Finance, University of Zurich

 

“Dem Aufruf möchte ich mich nicht anschließen. Gern möchte ich die Gelegenheit wahrnehmen, Ihnen meinen Standpunkt vor dem Hintergrund allokations- und geldtheoretischer Argumente kurz darzulegen.

Die Ankündigung des OMT-Programms durch die EZB war zugegebenermaßen sehr effektiv. Dies gilt auch hinsichtlich der Sicherung des Status quo allokativer Ineffizienz innerhalb der Eurozone. Diese Ineffizienz hat ihren Ursprung aus meiner Sicht in einer ‘weichen Budgetbeschränkung’, nämlich dass die Mitgliedschaft in der Eurozone als unwiderruflich erachtet wird. [gesamten Kommentar lesen]“

Dr. Christian Fahrholz
Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

 

„Aus politischen Gründen ist der Euro derzeit alternativlos. Ebenso aus wirtschaftlichen Gründen – wir sind Exportnation und damit brauchen wir die ‘schwächeren’ Südländer im Euroraum zur Verbilligung unserer Exporte. Das OMT stellt meines Erachtens eine Form der Vergemeinschaftung der Schulden der Mitgliedsländer dar (deswegen der deutsche Widerstand). Eine Alternative zum OMT wäre eine ‘echte’ Fiskalunion – ob die notwendigen Transfers aber über OMT oder andere Institutionen stattfinden, ist im Endeffekt egal.

Transfers können begründet werden u.a. auch aus Gerechtigkeitsüberlegungen – die Gewinner der Euroraumbildung kompensieren die Verlierer.

In diesem Sinne bin ich für eine offene Diskussion über den OMT – wobei sich IMHO der OMT schon gar nicht mehr zur Diskussion stellt. Er ist nun Faktum und wird bestehen bleiben.“

(Auszug aus einer persönlichen E-Mail an Prof. Fratzscher vom 3. August 2013)

Justina A.V . Fischer PhD
Visiting Fellow an der Universität Mannheim und Gastprofessorin an der Universität von Oradea