Geldpolitik und die Eurozone

„OMT-Programm verstetigt allokative Ineffizienzen“: Kommentar von Christian Fahrholz

Dem Aufruf möchte ich mich nicht anschließen. Gern möchte ich die Gelegenheit wahrnehmen, Ihnen meinen Standpunkt vor dem Hintergrund allokations- und geldtheoretischer Argumente kurz darzulegen.

Die Ankündigung des OMT-Programms durch die EZB war zugegebenermaßen sehr effektiv. Dies gilt auch hinsichtlich der Sicherung des Status quo allokativer Ineffizienz innerhalb der Eurozone. Diese Ineffizienz hat ihren Ursprung aus meiner Sicht in einer ‚weichen Budgetbeschränkung‘, nämlich dass die Mitgliedschaft in der Eurozone als unwiderruflich erachtet wird. Damit ist eine Trennung von Entscheidung und Haftung von Anfang an latent vorhanden gewesen. Dementsprechend wird die jeweilige Entscheidung zur privaten und öffentlichen Kreditaufnahme bzw. Verschuldung falsch bepreist. Dieser aus allokationstheoretischer Sicht bedenkliche Zustand wird durch die Ankündigung des OMT-Programms verfestigt.

Darüber hinaus halte ich aus geldtheoretischer Sicht eine mögliche Durchführung des OMT-Programms für fatal. Spätestens, wenn sich eine entsprechende Ausdehnung der Geldmenge bis hinein in den Nichtbanken-Sektor erstreckt, wird sich insbesondere das Preisniveau anpassen und für eine wertmäßige Korrektur makroökonomischer Ungleichgewichte innerhalb der Eurozone sorgen. An einer vornehmlich preislichen Anpassung beim Forderungsausgleich im Falle übermäßiger Verschuldung bzw. an einem weiteren Forderungsverzicht in Form von Schuldenschnitten – wie Sie jüngst wieder in die Diskussion gebracht haben – werden wir innerhalb der Eurozone sicherlich kaum vorbei kommen. Die Ankündigung des OMT-Programms verschafft nur einen vorübergehenden Zeitgewinn. Dies geschieht meines Erachtens jedoch auf Kosten der langfristigen Geldwertstabilität bzw. der Geldfunktionen des Euro.

Das OMT-Programm verstetigt nicht nur allokative Ineffizienzen, sondern droht darüber hinaus die bestehende europäische Geldordnung zu zerrütten.

Trotz aller inhaltlichen Vorbehalte unterstütze ich Ihr Anliegen, eine wichtige Debatte über die EZB und ihr OMT-Programm in Deutschland mitzugestalten.

 

Dr. Christian Fahrholz,
Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

 

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